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Das bin ich

Mein Name ist Eva.

Ich beschäftige mich seit geraumer Zeit mit der Sprache und Struktur von institutionellen Verfahren.

 

Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie schwer es sein kann, Gerichtsschreiben und behördliche Entscheidungen zu verstehen.

Heute versuche ich, diese Strukturen verständlicher zu machen - damit Menschen in solchen Situationen orientierter und handlungsfähiger bleiben können.

Meine Geschichte

Ein Familienverfahren hat mein Leben vor 15 Jahren unerwartet verändert.

In einem Eilverfahren wurden meine beiden Söhne aus meinem Alltag herausgenommen.

Auch mit meiner beruflichen Erfahrung – mit Ausbildungen als Heilpraktikerin für Psychotherapie sowie in der Kinder-, Jugend- und Familienberatung und meiner langjährigen pädagogischen Tätigkeit an verschiedenen Schulen in der Schweiz und in Deutschland – war ich auf ein solches Verfahren nicht vorbereitet.

Damals begann eine lange Suche nach Antworten und sie dauert an bis heute.

Zunächst wollte ich verstehen, was in meinem eigenen Verfahren geschehen war. Mit der Zeit interessierte mich jedoch immer stärker etwas Grundsätzlicheres:

Wie funktionieren Systeme – und was geschieht mit unserer Lebenswirklichkeit, wenn sie von einem System verarbeitet wird?

Heute begegnet mir diese Frage längst nicht mehr nur bei Gerichten.

Ich finde sie in der Kommunikation mit Behörden und Institutionen, in Gesetzen und offiziellen Informationen, in Verwaltungsabläufen – und zunehmend auch in digitalen Systemen und Infrastrukturen.

Überall geschieht etwas Ähnliches: Komplexität muss reduziert werden. Informationen werden ausgewählt, geordnet, kategorisiert und nach bestimmten Regeln verarbeitet.

Diese Reduktion muss nichts Schlechtes sein. Im Gegenteil: Sie kann helfen, ein unübersichtlich gewordenes Geschehen zu ordnen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und Zusammenhänge klarer zu erkennen.

Ich stelle mir diese Arbeit manchmal ganz praktisch mit Buntstiften vor:

Was ist Tatsache?
Was ist Behauptung?
Was ist Interpretation oder Bewertung?
Was ist belegt?
Welche Begriffe sind Blackboxes?
Was wissen wir – und was bleibt offen?

Doch etwas ist mir dabei besonders wichtig geworden:

Das System muss reduzieren, um entscheiden zu können.
Der Mensch muss das Ganze halten können, um diese Reduktion zu erkennen.

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Auf der einen Seite steht unsere Lebenswirklichkeit: Menschen, Beziehungen, Erfahrungen, Gefühle, Geschichte, Wissen und Zusammenhänge.

Auf der anderen stehen Systeme. Sie arbeiten mit Regeln, Begriffen, Kategorien, Verfahren, Daten und definierten Zuständigkeiten.

Die Brücke zwischen beiden ist für mich das Bewusstsein.

Ich möchte erkennen können, wann etwas aus der Lebenswirklichkeit in eine Systemlogik übersetzt wird, was dabei ausgewählt wird, nach welchen Regeln das geschieht – und welche Folgen daraus entstehen.

Dabei möchte ich die beiden Welten weder vermischen noch eine gegen die andere ausspielen.

Ich möchte beide sehen können.

Das verändert auch meine eigene Kommunikation.

 

Wenn ich heute mit Behörden oder Institutionen zu tun habe, versuche ich genauer zu beobachten: Was wurde tatsächlich gefragt? Was wurde beantwortet? Welche Begriffe werden verwendet? Welche Grundlage wird genannt? Wo wechseln die Ebenen? Was sollte dokumentiert werden?

Nicht, weil ich nur noch wie ein System denken möchte.

Sondern gerade weil ich Mensch bleiben möchte.

Ein System darf für seinen Zweck einen Ausschnitt meiner Wirklichkeit benötigen. Dieser Ausschnitt ist aber nicht meine ganze Wirklichkeit – und schon gar nicht der ganze Mensch.

Für mich bedeutet Systeme lesen deshalb auch, Verantwortung für das eigene Denken nicht einfach abzugeben.

Fachleute können helfen. Technik kann helfen. Auch KI kann helfen. Aber das Beobachten, Unterscheiden, Fragen und Herstellen von Zusammenhängen möchte ich selbst nicht aus der Hand geben.

Ich möchte handlungsfähig bleiben.

Aus einer sehr persönlichen Lebensgeschichte ist so mit den Jahren eine viel größere Frage entstanden.

Und dieser Frage gehe ich auf Systeme lesen nach.

Die Brücke zwischen zwei Welten

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